Villa
Rustica - Blankenheim
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Villa rusticaDie Villa von Blankenheim
Das in die Liste der ortsfesten Bodendenkmäler eingetragene Areal der Blankenheimer Villa befindet sich ca. 400 m südöstlich einer römischen Straße, die beim heutigen Blankenheimerdorf von der Köln-Trierer Trasse in Richtung Rheinbach abzweigte. Das Gelände liegt auf einem terrassierten, nach Nordosten abfallenden Hang, die Gesamtanlage war axial ausgerichtet. Erste Ausgrabungen fanden hier 1894 unter der Leitung von Constantin Koenen statt. Die im Hauptgebäude angetroffene Befunderhaltung war mit zum Teil über einen Meter hoch erhaltenen Mauern ausgezeichnet und so beschloss man, den imposanten Befund als touristische Attraktion interessierten Besuchern zugänglich zu belassen. Teile der Mauern wurden gefestigt und im Bereich des Badetraktes wurde ein Schutzdach errichtet. Weitere Grabungen wurden in den Jahren 1900 und 1907 durchgeführt. Im Rahmen dieser Maßnahmen sondierte Koenen grob die Lage der Nebengebäude, außerdem legte er den Keller im Südosten des Hauptgebäudes frei. Zwanzig Jahre nach der ersten Grabungskampagne hatte der Befund mittlerweile schwer gelitten. Die ungeschützt den Eifelwintern ausgesetzten Mauern waren durch den Frost stark angegriffen. Außerdem hatten Besucher die Absperrungen nicht beachtend Befunde zertreten und den einen oder anderen Ziegel als Souvenir mitgenommen. So war 1914 ein Zustand erreicht, der eine weitere Erhaltung des Hauptgebäudes als nicht mehr lohnend erscheinen ließ und man beschloss, die jüngeren Mauern zur archäologischen Untersuchung der älteren Bauphasen gezielt abzutragen. Diese Maßnahme führte Franz Oelmann 1914 durch. Seine Ergebnisse zu den einzelnen Bauperioden veröffentlichte er bereits zwei Jahre später in den Bonner Jahrbüchern. Im Jahr 1933 erschienen dann die Rekonstruktionszeichnungen zu den einzelnen Bauphasen von Hermann Mylius. Die Bearbeitung des Hauptgebäudes war damit abgeschlossen. Weitere Ausgrabungen von Oelmann in den Jahren 1930 und 1931 dienten der Untersuchung der auf den beiden östlich an das Hauptgebäude grenzenden Terrassen liegenden Nebengebäude. Eine vollflächige archäologische Ausgrabung fand in diesen Bereichen nicht statt. Oelmann legte hier vornehmlich schmale Grabungsschnitte entlang der angetroffenen Mauerzüge an. Die beiden seinerzeit von Koenen lokalisierten Bauten ganz im Osten der Villenanlage wurden nie näher archäologisch untersucht. Der Gesamtkomplex der Villenanlage weist eine Länge von ca. 250 Meter und eine Breite von knapp 120 Meter auf. Er zieht sich an einem stark nach Osten abfallenden Hang bis zur Sohle eines flachen Bachtales. Das Gelände war durch eine Mauer eingefasst. Im oben Hagbereich war vermutlich ein Garten angelegt, hieran schloss sich das rechtwinklig zur Längsrichtung stehende Haupthaus an. Parallel zur Hauptachse standen zwei Häuserreihen mit insgesamt sechs gegenüberliegenden Nebengebäuden. Die Baugeschichte des Haupthauses wurde von Oelmann geklärt. Er unterschied drei Bauperioden, wobei auch innerhalb einer Bauperiode verschiedene Um,- und Anbauten vorgenommen wurden. Anfangs war das Hauptgebäude ein langgestreckter Bau von ca. 48 Meter Länge und ca. 17 Meter Tiefe mit einem symmetrischen Grundriss. Dem Gebäude waren zwei Eckrisaliten vorgezogen, dazwischen lag eine Portikus. Der Zugang erfolgte über eine Treppe in der Mitte dieser Säulenhalle. Dieser Bau wurde am Ende des 1. Jahrhunderts errichtet und wurde in der Mitte des 2. Jahrhunderts nach einem Schadfeuer durch einen größeren Neubau ersetzt. Besonders auffällige Veränderungen betreffen die Ostfront des Gebäudes. Die gesamte Gebäudefront wurde mit einer durchgehenden Portikus mit einem neuen Haupteingang am Nordende versehen. Im Nordflügel wurde ein Bad eingerichtet, das im Wesentlichen bis zur Aufgabe des Hofes erhalten blieb. Der letzte bedeutende Umbau des Haupthauses fällt ins 3. Jahrhundert. Im Süden wurde eine neue Flucht von Räumen angelegt, weitere Anbauten erfolgten im Westen. Der große Mittelsaal wurde in mehrere Räume aufgeteilt und der Mittelteil beheizbar gemacht. In dieser Form bestand das Gebäude bis ins 4. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt verfielen die Heizungsanlagen und Türen und Fenster wurden teilweise vermauert. Die Nebengebäude wurden nur teilweise archäologisch untersucht. Südlich des Hauptgebäudes stand ein kleines einzelliges Gebäude, das von einem größeren Mauergeviert umgeben war. Hierbei könnte es sich um ein Heiligtum gehandelt haben. Das östlich davon gelegene Nebengebäude wurde vom Ausgräber als Scheune angesprochen. Das nordwestliche Nebengebäude wurde mehrfach umgebaut. Ursprünglich war es ein einräumiges Haus mit Herd und Schmelzofen für Eisenerze, später wurde es zu Wohnzwecken umgebaut. Ebenfalls mehrfach verändert wurde der Grundriss des östlich anschließenden Gebäudes. Auch hier wurden mehrere Feuerstellen nachgewiesen. Die beiden östlichen Nebengebäude sind quasi unerforscht. Zwar wurden von C. Koenen einige Raumfluchten ermittelt, doch liegen weder zur genauen Datierung noch zur Funktion gesicherte Erkenntnisse vor. Im Frühjahr 2005 legte das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland im Bereich des Hauptgebäudes drei kleine Sondagen an, um die genaue Lage des Befundes zu klären. Durch die Veränderung des Geländes und auch der Parzellengrenzen in den vergangenen 75 Jahren ließen sich die alten Grabungspläne nicht mehr exakt einhängen. Die genaue Lokalisierung der Grabungsbefunde war eine Voraussetzung für die Anfertigung von zwei Diplomarbeiten an der Universität Essen, im Rahmen derer unter anderem ein digitales Geländemodell und auch eine digitale Rekonstruktion des Hauptgebäudes erstellt wurden. Bei einer weiteren Grabungskampagne im Sommer 2006 wurde ein Teilbereich des Badetraktes, nämlich das Frigidarium, und eine Flucht von Wohnräumen in der südlichen Hälfte des Hauptgebäudes freigelegt. Die Befunderhaltung ist im Vergleich zu 1894 deutlich schlechter, was aber - in Anbetracht der oben beschriebenen, im Jahr 1914 durchgeführten Grabungskampagne – nicht wirklich überraschend ist. Von den Mauern sind stellenweise nur noch die Fundamente erhalten, immerhin beträgt die Befunderhaltung im Bereich des Kaltwasserbeckens noch bis zu einem Meter. Für den Sommer 2007 sind weitere archäologische Untersuchungen im Bereich der unteren Terrassen und der Nebengebäude durch den Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege angedacht.
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