Villa Rustica - Blankenheim
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Ein Muss für Archäologiestudenten

Prof. Jürgen Kunow rechnet damit, dass die Grabungen rund zehn Jahre dauern werden.

Blankenheim - Auf dem Gelände der „Villa Rustica“ in der Nähe der belgischen Siedlung in Blankenheim herrscht wieder reger Betrieb. Jahrzehntelang hatten die Überreste des römischen Gutshofes, der im vergangenen Jahrtausend schon einmal teilweise freigelegt worden war, im Untergrund geschlummert. Nun sind Archäologen wieder damit beschäftigt, den riesigen Komplex zu erforschen. Gestern präsentierten sie die ersten Ergebnisse ihrer Untersuchungen.

„Die »Villa Blankenheim« ist eine der bekanntesten im Rheinland“, erläuterte Prof. Dr. Jürgen Kunow, der Leiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. Der Erhaltungszustand des historischen Gebäudes sei „sehr erfreulich“. Der Gutshof sei „angelegt wie in einem Bilderbuch“, so seine begeisterten Worte. Und die Prognose des Fachmannes lautete: „Archäologiestudenten aus ganz Deutschland werden schon in ihrem ersten Semester nach Blankenheim kommen, um diese einmalige Anlage zu sehen.“

Doch bis es soweit ist, wird es noch einige Zeit dauern. Zurück in die Vergangenheit: Etwa um das Jahr 100 nach Christus wurde auf einem Hang, der in rund 400 Metern Entfernung von einem Abzweig der Römerstraße Köln-Trier liegt, mit dem Bau des Gutshofes begonnen. Seine Gesamtfläche beträgt etwa drei Hektar. Das Hauptgebäude ist rund 70 Meter lang und 25 Meter breit. Auf dem Gelände gab es zahlreiche Nebengebäude, so auch einen Tempel. Rund 20 bis 30 Menschen lebten ständig auf dem Gutshof. Die gesamte Anlage wurde mehrfach umgestaltet und etwa im Jahr 350 nach Christus wieder aufgegeben. Denn damals gab es heftige Unruhen in Niedergermanien. An dem Hauptgebäude wurden aber keine Schäden festgestellt, wie sie etwa durch Brandstiftung entstehen könnten.

Bereits im Jahr 1894 begannen erste Ausgrabungsarbeiten an diesem wichtigen Zeitzeugnis. Damals wurde das Hauptgebäude fast vollständig freigelegt. In den Jahren 1930 und 1931 folgten weitere Untersuchungen - drei Wirtschaftsbauten und besagter Tempel wurden freigelegt. Während dieser Zeit war die römische Villa, die zum Teil überdacht wurde, ein Magnet für Touristen. Während der Nazi-Zeit wurden die Arbeiten dann eingestellt und die bereits freigelegten Überreste wieder zugeschüttet.

Um den Jahrtausendwechsel waren Forderungen laut geworden, die beeindruckende Anlage wieder freizulegen. Im vergangenen Jahr hatte Bürgermeister Rolf Hartmann NRW-Bauminister Oliver Wittke eine entsprechende Zusage abgerungen. Bereits im April vorigen Jahres hatte man drei Probebohrungen auf dem Gelände durchgeführt, seit Anfang August dieses Jahres werden ausgewählte Räume wieder freigelegt.

„Durch die Bäume, die auf dem Gelände wuchsen, war das Gebäude erheblich gefährdet“, erläuterte Professor Kunow. Diese Gefahr sei nun durch das Fällen der Bäume beseitigt. In diesem Jahr soll das Hauptgebäude weiter untersucht werden, im kommenden Jahr dann einzelne Nebengebäude. Und weiter: „Wenn wir diese Untersuchungen ausgewertet haben, werden wir uns Gedanken über das weitere Vorgehen machen.“

Der Fachmann rechnet damit, dass eine komplette Freilegung „rund zehn Jahre“ dauern wird. Die Kosten würden „auf jeden Fall im siebenstelligen Bereich“ liegen - je nachdem, welche Variante man wähle. Der Archäologe sprach sich dagegen aus, eine Rekonstruktion des Gebäudes zu errichten. „So etwas macht man eigentlich nur, wenn nichts mehr da ist.“ Die Blankenheimer Anlage sei jedoch gut erhalten utlich nur, wenn nichts mehr da ist.“ Die Blankenheimer Anlage sei jedoch gut erhalten und solle deshalb „als Beispiel für das ganze Rheinland präsentiert werden“.


September 2006