Im Blankenheimer Untergrund schlummert
ein Zeugnis aus römischer Zeit vor sich hin. Immer wieder werden Forderungen
laut, die "Villa rustica" wieder freizulegen.
Blankenheim - "Es kommen immer
wieder mal ein paar Leute vorbei, die sich die »Villa rustica« anschauen
wollen", erzählt Ewald Schweiß, dessen Haus direkt neben dem Weg liegt,
der zu dem Grundstück mit der glorreichen Vergangenheit führt. Doch die
historisch Interessierten, die nach Blankenheim kommen, fahren meist wieder enttäuscht
nach Hause. Denn die Parzelle am Rande der belgischen Siedlung ist dicht mit Bäumen
und Sträuchern bewachsen. Am Boden lässt sich kein Hinweis auf die römische
Vergangenheit entdecken.
Vor rund einem Jahrhundert sah das noch ganz
anders aus. Denn auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Wassong hatte das
Bonner Provinzialmuseum im Frühjahr 1894 damit begonnen, den ehemaligen römischen
Gutshof auszugraben.
"Gute Erhaltung"
"Die aussergewöhnlich gute Erhaltung und
Vollständigkeit der baulichen Anlage liess nun aber alsbald den Wunsch laut
werden, die ausgegrabenen Gebäudereste dauernd sichtbar zu erhalten",
berichtete Museumsdirektor Dr. Lehner im Jahre 1916 im Vorwort der Veröffentlichung
"Die römische Villa bei Blankenheim in der Eifel" von
Direktorialassistent Dr. Franz Oelmann, der zeitweise die Ausgrabungen leitete.
Der rheinische Provinzialverband stellte
daraufhin "bereitwilligst" die Mittel zum Ankauf des Geländes und zur
Konservierung der Baureste zur Verfügung, so dass der Kauf und die nötigen
Erhaltungsarbeiten bereits Ende 1894 abgeschlossen waren. Die Mauern wurden
sachgemäß befestigt und die besonders gut erhaltene und interessante
Badeanlage mit einem ausgedehnten Schutzdach überdeckt. "So bildete die
Anlage jahrelang das gern aufgesuchte Ziel vieler Eifelwanderer und Sommergäste
von Blankenheim", berichtete Dr. Oelmann.
Doch wie die Forscher bald bemerkten, hatten
sie nur einen Teil der großen Anlage, und diesen auch nur lückenhaft,
untersucht. Denn ausgegraben hatte man anfangs nur das Herrenhaus des Gutshofes.
Die zum Komplex gehörenden Wirtschaftsgebäude waren zu diesem Zeitpunkt noch
unbekannt. Das Herrenhaus selbst, so stellten die Archäologen fest, war im
Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut worden. In den Jahren 1900 und 1907
konnte man wenigstens teilweise die Wirtschaftsgebäude und den Keller des
Herrenhauses sowie die Umfassungsmauer des Gutshofes freilegen.
Doch dann kamen die langwierigen Ausgrabungen
und Untersuchungen bald zum Erliegen. "Trotz der sorgfältigen
Konservierung der Mauern und der Überdachung der Badeanlage, woran immer von
Zeit zu Zeit wieder nachgebessert worden war, liess es sich nicht vermeiden,
dass die Feuchtigkeit und die Fröste der Eifelwinter unaufhaltsam ihr Zerstörungswerk
an den Bauresten fortsetzten", berichtete der Museumsdirektor. Schlimmer
und radikaler sollen freilich noch die Zerstörungen gewesen sein, die
gedankenlose Besucher verursachten. Sie durchbrachen Umzäunungen, zertraten
schwächere Mäuerchen und schleppten Ziegel fort.
So kamen die Archäologen anno 1913 zu dem
Schluss, dass die weitere Erhaltung der Römer-Villa nicht mehr lohnend sei. Sie
zerstörten selbst bisher erhaltene Baureste des Herrenhauses, um ältere
Bauperioden untersuchen zu können. Auch die noch nicht ausgegrabenen
Wirtschaftsgebäude sollten noch untersucht werden, aber der Ausbruch des Ersten
Weltkrieges beendete die Arbeiten dann abrupt, weil die Männer zum Heeresdienst
einberufen wurden.
Nach dem Ersten Weltkrieg war dann kein Geld
mehr vorhanden. Um weitere Zerstörungen an der Anlage zu verhindern, kippte man
den ganzen Komplex einfach zu. Erst in den 60er Jahren wurde man am Standort der
antiken Villa wieder aktiv: Damals wurde am Blankenheimer Ortsrand die belgische
Siedlung errichtet. Die Grundstücke rund um die römische Villa sind
mittlerweile bebaut. Sogar auf den Resten der römischen Wirtschaftsgebäude
stehen mittlerweile Einfamilienhäuser.
In regelmäßigen Abständen werden in
Blankenheim Forderungen laut, zumindest das Hauptgebäude der Villa wieder
freizulegen. So auch ierden in
Blankenheim Forderungen laut, zumindest das Hauptgebäude der Villa wieder
freizulegen. So auch in der jüngsten Etatdebatte im Rat, als SPD-Fraktionschef
Wolfgang Doppelfeld forderte, man müsse die römische Vergangenheit
Blankenheims wieder zu Tage fördern. Davon erhofft man sich vor allem eine
Belebung des Tourismus. Doch die Wiederausgrabung der "Villa rustica"
würde, wie Fachleute schätzen, etliche Millionen Euro kosten.